9. November 2009 – 18:15
Allgemein
Beim DFB läuft jetzt schon der Countdown. Alles wird für die Frauenfußballweltmeisterschaft in Deutschland 2011 vorbereitet. Vor ungefähr einer Woche wurde die erste internationale Botschafterin für die WM 2011, nämlich Ex-Fußballerin Mia Hamm aus den USA, gekürt. Die Präsidentin des deutschen Organisationskomitees (OK), Steffi Jones, freute sich, so eine prominente Sportlerin an Bord zu haben.
Motiv 1: „Outing (un)möglich?!“
Fehlt nur noch die offizielle lesbische Coming-out Beauftragte, um die jahrelange Farce zahlreicher nicht offen lebender Fußball-Nationalspielerinnen zu beenden. Der DFB wäre sicher offen dafür, kämpft er doch seit zwei Jahren unter Federführung von Präsident Theo Zwanziger gegen Homophobie im Männer- und Frauenfußball.
Motiv 2: „Trikottausch?“
Wir fangen schon mal an, dachte sich die Fotografin Monica Bauer und das Fußballteam „Böse Möwen“ aus Köln. Vier Plakatmotive „Für Offenheit und Akzeptanz von Homosexualität im Fußball“ gestalteten sie im Rahmen eines Projektes der Landesarbeitsgemeinschaft Leben in NRW, das im Vorlauf der WM für Sichtbarkeit und Selbstbewusstsein von lesbischen Fußballerinnen kämpfen will. Tolle Aktion!
Motiv 3: „Im Abseits?“
Alle LAG-Mitgliedsgruppen und Kooperationspartnerinnen, sowie die queeren Fußballfanclubs und die in NRW ansässigen Frauenteams der 1. und 2. Bundesliga, sowie der DFB bekommen jeweils einen Satz Plakate. Außerdem können sie bei der LAG-Geschäftsstelle bestellt werden, gegen eine Versandgebühr von 6,50 Euro (bis zu 12 Plakate): Tel. 0211 – 69 10 530
Motiv 4: „Ist doch egal, wer das Tor macht!“
10. September 2009 – 15:48
Allgemein

Die lächerliche Debatte um das Geschlecht der 18-jährigen südafrikanischen Weltmeisterin im 800m-Lauf, Caster Semenya, hat eine neue Dimension erreicht. Während der Läuferin bei ihrer Rückkehr in Südafrika ein umjubelter Empfang bereitet wurde und Frauengruppen wie Politiker sich hinter Semenya und gegen die übertriebene Geschlechterdebatte stellen, hat sie selbst zum Gegenschlag ausgeholt. Mit aufgetuffter „Bob-Frisur“, Lidschatten und lackierten Fingernägeln posiert die ansonsten sehr burschikos wirkende Sportlerin im Kleid auf dem Cover des südafrikanischen Lifestyle Magazins „You“. Unter dem Titel „Wow, look at me now!“ ist Semenya auch im Innenteil als „echte Frau“ in tussigen Glitterklamotten inszeniert.
Sah die muskulöse Läuferin in ihrem Sportdress eigentlich nur schlicht wie eine sehr junge Butchlesbe aus, wirkt sie vor allem auf dem Zeitschriftencover nun erst recht wie ein in ein Kleid gezwängter Mann. Frage: Muss das sein? Um den ohnehin albernen Beweis zu erbringen, eine Frau zu sein, muss man also Lidschatten und lackierte Fingernägel vorweisen? Und sich zudem noch mit einer nicht gerade vorteilhaften, aber immerhin als weiblich geltenden Frisur zur Schau stellen?
Hier zum Video über Semenyas Rückkehr nach Südafrika und die Unterstützung von Frauengruppen, Politik und ihrer Familie
Muss sich Semenya erst als „Tussi“ verkleiden, um als „echte Frau“ durchzugehen? Warum wird die Debatte um Caster Semenyas Geschlecht überhaupt so hochgekocht, während bei anderen Sportlerinnen plötzliche Leistungssteigerungen viel mehr im Zusammenhang mit dem sehr viel wahrscheinlicheren Fall eines möglichen Dopings gesehen werden?
Wie ist eure Meinung?
28. August 2009 – 15:34
Allgemein
Das Rennen ist eng. Schwarz-Gelb hat diese Wahl noch nicht gewonnen, erreicht nach aktuellen Umfragen – Stand Ende August – nur um Haaresbreite die absolute Mehrheit. Jede Stimme und jede Zielgruppe zählt, sollte man also meinen. Jede? Fast jede. Denn Schwule und Lesben fasst man von Seiten der Union nach wie vor nur mit spitzen Fingern oder gar nicht an.
In unserer Interviewreihe zur Wahl 09 hätten wir gerne auch einen Spitzenpolitiker, eine Spitzenpolitikerin (am liebsten natürlich Bundeskanzlerin Angela Merkel) von CDU oder CSU präsentiert. Was bei allen anderen Parteien kein Problem war, wurde hier zum Hürdenlauf, der nicht zu gewinnen war. Es hagelte Interviewabsagen, in einigen Fällen konnte man durch den Telefonhörer hindurch fühlen, wie sich die Pressestelle am anderen Ende angesichts der „ungewöhnlichen“ Anfrage wand. Selbst eine einfache professionelle Absage bekamen wir manchmal nur nach hartnäckigem Nachfragen.
Ein prominentes Beispiel in der Reihe der Absagen: Familienministerin Ursula von der Leyen. Adoptionsrecht für Lesben und Schwule, Regenbogenfamilien, Ehegattensplitting, modernes Sorgerecht: Alles Themen, die in der öffentlichen Diskussion stehen. Dennoch verweigert uns die zuständige Ministerin seit Jahren ein Interview. Sie findet keine Zeit dafür, auch jetzt vor der Bundestagswahl natürlich nicht.
Hat man Lesben und Schwulen einfach nichts zu sagen? Überlässt man diese Zielgruppe dem potentiellen Koalitionspartner FDP? Hat man Angst vor den eigenen Wählern oder offenbart sich hier symptomatisch ein immer noch stockkonservatives und verklemmtes Weltbild?
Gerne hätten wir diese Fragen gestellt.
Gudrun Fertig
Foto: Angie Dressbook von www.onkelundonkel.com