Köln. 1.00 Uhr/2,5 Stunden nach der Eröffnungsfeier.

Taylor Dayne stand am Ende inmitten von Feuerwerk und Fackelträgern, sang den Gay Games Song „Facing a miracle” und es war geschafft. Die Games waren mit Herzblut, einer Prise US-amerikanischem Pathos und einer gelungen Show eröffnet worden.
Die geniale Idee der Gay Games und die professionell produzierte Show gewannen am Ende. Denn die Feier kämpfte anfangs gegen die fehlende Stimmung angesicht vieler leerer Sitzplätze im Stadion. Nach dem Einmarsch der teilnehmenden Länder füllten sich die Ränge etwas mehr. Doch der Abend schrammte an einem Eklat vorbei, als Guido Westerwelle, Vizekanzler und Außenminister der Bundesrepublik sowie Schirmherr der Games, seine Rede hielt. Offensiv sprach er (in einem überraschend fließendem Englisch) von seinem „partner” und dankte den „generations, who have fought for our freedom!“. Zwiegespalten war dabei das Publikum. Der deutschsprachige Teil sah überwiegend den Parteipolitiker der FDP und pfiff und buhte ausgiebig. Kurz vorm Kippen der Stimmung erlöste der englischsprachige Teil des Publikums Westerwelle und jubelte dem ranghöchsten Politiker, der jemals die Gay Games eröffnete, begeistert zu.

Ein Garant für die gute Atmosphäre im RheinEnergieStadion waren dagegen die gastgebenden Kölner und Kölnerinnen. Sie scheinen ein ganz eigenes Bundesland zu bewohnen, in dem jede Gelegenheit zum Mitklatschen und Singen der Stadt-Hymne „Viva Colonia” genutzt wird. Vor dem Stadion machten dann die männlichen Cheerleader, die schon den hübschen und sportiven Rahmen der Show gebildet hatten, aus der Not eine Tugend: Mit einem Lächeln und einem „Support your community!“ riefen sie zu Spenden auf – wohl eine erste Reaktion auf die leeren Sitzplätze im Stadion.

In der Tram zurück in die Innenstadt wurde dann wieder gesungen. Eine Kölner und eine Amsterdamer Gruppe lieferte sich einen nicht enden wollenden Battle. Die Tram stand sowieso und bewegte sich keinen Millimeter mehr vorwärts. Als die Kölner schließlich zu einem „Tulpen aus Amsterdam” anhoben, und fröhliche Fußgänger winkend an uns Gefangene der Tram Richtung Moltkestrasse vorbeizogen, ergab auch ich mich:„Viva Colonia …” Die Stimmung stieg.
Gruß aus Kölle
gf
















1 Kommentar
Selten hat der Außeinminister eines westlichen Staates so deutliche Worte zur Situation der unterdrückten Homosexuellen weltweit gefunden wie Westerwelle gestern bei den Gay Games. Das wird aber kaum in der Tagesschau gesendet werden. Kompliment!