Das Rennen ist eng. Schwarz-Gelb hat diese Wahl noch nicht gewonnen, erreicht nach aktuellen Umfragen – Stand Ende August – nur um Haaresbreite die absolute Mehrheit. Jede Stimme und jede Zielgruppe zählt, sollte man also meinen. Jede? Fast jede. Denn Schwule und Lesben fasst man von Seiten der Union nach wie vor nur mit spitzen Fingern oder gar nicht an.
In unserer Interviewreihe zur Wahl 09 hätten wir gerne auch einen Spitzenpolitiker, eine Spitzenpolitikerin (am liebsten natürlich Bundeskanzlerin Angela Merkel) von CDU oder CSU präsentiert. Was bei allen anderen Parteien kein Problem war, wurde hier zum Hürdenlauf, der nicht zu gewinnen war. Es hagelte Interviewabsagen, in einigen Fällen konnte man durch den Telefonhörer hindurch fühlen, wie sich die Pressestelle am anderen Ende angesichts der „ungewöhnlichen“ Anfrage wand. Selbst eine einfache professionelle Absage bekamen wir manchmal nur nach hartnäckigem Nachfragen.
Ein prominentes Beispiel in der Reihe der Absagen: Familienministerin Ursula von der Leyen. Adoptionsrecht für Lesben und Schwule, Regenbogenfamilien, Ehegattensplitting, modernes Sorgerecht: Alles Themen, die in der öffentlichen Diskussion stehen. Dennoch verweigert uns die zuständige Ministerin seit Jahren ein Interview. Sie findet keine Zeit dafür, auch jetzt vor der Bundestagswahl natürlich nicht.
Hat man Lesben und Schwulen einfach nichts zu sagen? Überlässt man diese Zielgruppe dem potentiellen Koalitionspartner FDP? Hat man Angst vor den eigenen Wählern oder offenbart sich hier symptomatisch ein immer noch stockkonservatives und verklemmtes Weltbild?
Gerne hätten wir diese Fragen gestellt.
Gudrun Fertig
Foto: Angie Dressbook von www.onkelundonkel.com










