6. August 2010 – 12:38
Gay Games 2010
Der Wahnsinn geht weiter… Zwischen Sportstätten und Partys hin und her eilend fühlt man sich einfach mega-sportlich. Auch wenn nur zuschauen ehrlich gesagt ein bisschen einsam ist. Die Gay Games sind eher ein Spaß für die Aktiven scheint es. Zumal die ja immer wissen, wo sie hin müssen – im Gegensatz zu den umherirrenden Zuschauern. Wenn auch die Anfangszeiten mitunter überraschenderweise vorverlegt werden und die Ärmsten morgens um 9 Uhr antreten müssen. Wie schaffen die das nur nachts dann auch noch so vielfach auf die Partys zu gehen?
Ich erinnere mich, schon bei meinem letzten Sport-Großereignis, den Outgames in Montreal 2006, hatte ich mir fest vorgenommen, endlich Sport zu machen um bei solchen Games mitmachen zu können. Tja, irgendwie kam es wohl nie dazu… Die viele Arbeit in der Redaktion, der Haushalt und so… man kommt ja zu nichts. Aber vielleicht jetzt? Ich bin zwar total unsportlich, aber falls irgendein Team Verwendung für mich hat – ich bin dabei! Bis zu den nächsten Games 2013 (Outgames Antwerpen) oder 2014 (Gay Games Cleveland) könnte selbst ich fit werden… Vielleicht nicht unbedingt morgens um 9 Uhr – ok?!?

Meike Gottschalk (rechts) mit ihrer Film-Gespielin Mira Herold posieren für ihre Serie „Emma Stahl"
Gar nichts mit Sport (außer man betrachtet die Jagd auf Frauen auch als Sport) haben die „Lesbian Theatre Nights“ im Kölner Filmhaus zu tun. Hier werden an zwei Tagen die spätestens seit „L Word” beliebten lesbischen Internet-Mini-Serien im Kino präsentiert. Und davon gibt es in letzter Zeit ja jede Menge. (Komisch eigentlich, dass es so was für Schwule nicht gibt. Gucken die tatsächlich lieber nur „Golden Girls“?) Die Webserien reichen jedenfalls von den „L Word“-lastigen Episoden über eine Clique schwarzer Lesben in Florida in der „The Lovers and Friends Show“, über die urkomische Suche nach einer neuen Freundin in „Seeking Simone“ bis hin zum deutschen Krimi „Emma Stahl”. Letzterer ist noch in der Planungsphase (l-mag.de und L-MAG berichteten) und sucht nach Finanzierung. Der Trailer von „Emma Stahl“ mit Meike Gottschalk in der Rolle der toughen lesbischen Polizistin ist jedenfalls sehr viel versprechend. Kommt genug Geld aus der Community zusammen, soll es nächstes Jahr die Serie endlich zu sehen geben, versprach Produzentin Sandra Uredat gestern im Filmhaus. Hauptdarstellerin Meike Gottschalk posierte schonmal mit Mira Herold, die eine der vielen Gespielinnen von Emma Stahl geben wird. Mädels, ich denke, wer ein bisschen Geld übrig hat, sollte in diese Serie investieren! (Heute um 18.30 Uhr gibt es den zweiten Teil der „Lesbian Theatre Nights“ im Filmhaus Köln)
Am Abend ging dann der Partysport weiter: In der L-MAG Tanzbar rockten die Sistern den Laden. Das fühlte sich eher nach einer angesagten Soul-Bar voller ausgelassener Lesben irgendwo in den USA an, als in Köln. Aber bei den Gay Games ist eben alles möglich… Außer vielleicht, Lesben die nicht Teil eines Pärchens sind zu treffen. Meine neuste Theorie: Man darf sich als Frau nur als Pärchen bei den Games anmelden. Oder gibt es vielleicht einen Pärchen-Rabatt? Die sprichwörtlich geizigen Lesben (die, wie wir wissen meist gar nicht so sind) haben sich vielleicht nur aus Rabatt-Gründen zusammen getan? Wir kennen das ja aus dem L-MAG-Alltag: Um das gemeinsame Abo nicht zu verlieren, bleiben manche Paare ja noch jahrelang zusammen.
Vielleicht finde ich ja heute Abend auf der großen, von L-MAG präsentierten Lesbenparty „Triumph & Temptations“ im Stollwerck eine Antwort. Wer mir das Gay-Games-Pärchen-Phänomen einleuchtend erklären kann spricht mich bitte auf der Party an. Es gibt ein L-MAG-Abo zu gewinnen!
Jetzt gehe ich los zum Frauen-Fußball-Finale und freue mich auf ein spannendes Endspiel.
Manuela Kay
5. August 2010 – 23:00
Gay Games 2010
Sagte ich, mein Sport seien Partys? Der wahre Sport dieser Gay Games besteht darin, den richtigen Ort zu finden. Und dann noch zur richtigen Zeit. Um es möglichst spannend zu machen, werden nämlich die Uhrzeiten der Sportveranstaltungen erst am Morgen des jeweiligen Tages im Internet bekannt gegeben. Dann kann man den Tag planen und sich auf die Suche nach der Sportstätte machen. Was sich alles andere als leicht gestaltet. Und von wegen „Spiele der kurzen Wege”, das Publikum hat auf der Suche nach dem Sport mehr Kilometer zu bewerkstelligen als die Marathonläufer.

Kein Plan - hilfreiche Beschilderung der Sportstätten im Pressezentrum
Eigentlich wollte ich heute ja zu einer meiner Lieblingssportarten, dem Eishockey. Doch das findet jwd, scheinbar schon in Holland statt. Also machte ich mich zu einer anderen Lieblingssportart auf: dem Wasserball. Als militante Nichtschwimmerin bin ich immer wieder fasziniert, wie man beim Wasserball Schwimmen und Handball spielen gleichzeitig kann – ich kann keins von beiden, geschweige denn zusammen.

Die Teams sind fast allesamt aus Nordamerika oder Australien und teilweise mit Männern und Frauen gemischt. Was die im Becken so bieten – neben ihren tollen Muskeln – ist schon allerhand.
Leider ist nicht nur die Wegweisung zuschauerunfreundlich, auch fehlende Sitzgelegenheiten machen das – zugegeben wenige –Publikum nicht froh. Dafür gibt es immer informative Durchsagen, was bei anderen Spielen schon anders war. So ist man, wenn man schon auf den teils nicht vorhandenen Rängen nicht viel sehen kann, wenigstens immer gut informiert über Spielstände und Namen der Aktiven.
Nachdem das Wetter sich gebessert hat, war auch bei der Leichtathletik die Stimmung heute ausgelassen. Hier gibt es immerhin eine ordentliche Zuschauertribüne – und neben den einzelnen Disziplinen gefühlt etwa drei Mal mehr Siegerehrungen als Sportwettkämpfe. Das Treppchen muss ja schon ganz durchgetreten sein…

Viele Sportarten sind zuschauenderweise leider nicht an einem Tag zu schaffen, denn selbst im Areal der Sporthochschule Köln in Müngersdorf liegen die Dinge zwar auf dem Plan alle nebeneinander, doch irgendwie irren alle dann doch planlos hin- und her, vor allem weil die Wettkämpfe mitunter früher vorbei sind als geplant oder doch anders anfangen. Sind eben eher amerikanisch organisierte Spiele – da müssen wir straff organisierten Deutschen einfach Geduld, Sportsgeist und gutes Schuhwerk haben.
Manuela Kay
5. August 2010 – 12:27
Gay Games 2010
Auch wenn die einen (Fußballer/innen) wie gesagt, gestern schon ab 19 Uhr tanzten, ließen sich die anderen auch später in der Nacht trotz anstrengender Tage nicht vom Feiern abbringen. Ok, es war vielleicht nicht die wildeste Partynacht so in der Mitte der Games, doch wer noch konnte, gab in der L-MAG Tanzbar in der Blue Lounge und auch beim Clubbing im Gloria alles. Während die schwulen Jungs sich zumeist damit begnügten, vor den Bars rumzustehen (der Regen hatte endlich aufgehört), wollten die Mädels lieber zappeln.
Ach ja die Mädels … wie die es schaffen, auch hier, im Grunde doch weit weg von zuhause, wieder nur im Pärchen aufzutreten, erstaunt dann doch. Sollten die nicht in einem Team zu den Gay Games gekommen sein? Sind die jeweiligen Lebensabschnittsgefährtinnen denn auch immer mit im Team? Oder haben die sich alle schon innerhalb so weniger Tage gefunden? Jedenfalls taucht auch die Gay-Games-Lesbe an sich im Paar auf und hält dauerhaften Körperkontakt zur jeweils anderen, damit bloß keine mit einer anderen Sportlerin durchbrennen kann. Vielleicht sind Sportlerinnen aber auch nur besonders körperkontaktfreudig? Ich werde von meinen weiteren Studien berichten.
Manuela Kay
4. August 2010 – 23:04
Gay Games 2010

Cowgirls aus Seattle feiern mit Kollegen auf der Fußball-Party
Und da bin ich schon – aus dem sonnig-warmen Berlin ins regennasse Köln gereist. Sportlich wie ich bin stürze ich mich sofort rein in die Gay Games. Mein Lieblingssport: Partys! Und die erste steht schon am Nachmittag an. Das Fußball-Turnier, das von L-MAG präsentiert wird, hat seine große Party. Auf der „Football Celebration Party” wird schon vor 19 Uhr ausgelassen getanzt. Für jemanden aus Berlin unvorstellbar um diese Uhrzeit. Vor allem wenn man bedenkt, was für ein Programm die Fußballerinnen und Fußballer zu absolvieren haben. Elf Spiele seien es, wie mir eine erschöpfte Kölnerin sagte und „die Wade hat sich bereits jetzt schon verabschiedet”. Nicht so bei den anderen Aktiven, die munter tanzen und feiern. Vielleicht auch weil dies eine der wenigen wirklich gemischten schwullesbischen Partys ist. Zwar kommen alle überall rein, doch wird meist doch getrennt gefeiert.
Dazu folgender Dialog zwischen zwei Teilnehmern, den ich in einem Gang im Pressezentrum aufschnappte. Sie: „Ich muss unbedingt ins Finale kommen, will Freitag noch zur Lesbenparty”. Er: „Und was wird aus mir?” Sie: „Wieso, wir können doch woanders noch feiern.” Er: „Ich musste schon mit dir in die Blue Lounge, ich will was gemischtes”… später sah ich beide auf der Fußball Party. Das mit dem schwullesbisch ist eben nicht so einfach.
Meine Kollegin Gudrun Fertig bemängelte ja zu wenig lesbische Sichtbarkeit bei den Games. Nun, entweder sind die Mädels dank Kölsch aufgetaut oder haben nichts mehr zu verlieren … Aber auf der Fußball Party gab es so eine Art Talentshow der Aktiven. Und hier haben die Mädels sich von ihrer besten Seite gezeigt: Singende, tanzende und strippende Cowgirl-Fußballerinnen aus Seattle rockten den Laden und boten ihre Schweißbänder gegen einen Kuss feil. (Viele davon habe ich später auch an schwulen Armen gesehen. Geht also doch mit dem schwullesbisch!) Nicht weniger zeigefreudig und extrovertiert präsentierte sich das Frauenteam aus Sydney. Wie immer, sind es eher die englischsprachigen Frauen, die besser aus sich herausgehen können. Also: mehr Kölsch für die Deutschen! Zum Chor der Schiedsrichter, die „Gimme, gimme, gimme” von ABBA sangen, möchte ich nur anmerken, dass die Verzweiflung wohl groß scheint.
Der Dauerregen hat dafür gesorgt, dass die Villages, deren Öffnungszeiten wegen des großen Zulaufs ja gerade verlängert wurden, menschenleer sind. Grund also, sich ins überdachte Nachtleben zu stürzen …
Manuela Kay
4. August 2010 – 18:22
Gay Games 2010
zum schluss noch ein lobgesang auf die ehrenamtlerinnen und ehrenamtler der gay games. 3.000 sollen es sein. gefühlt sind es doppelt so viele – dabei fehlen angeblich noch immer 200 von ihnen, um den marathon absichern zu können. wer lust und zeit hat: meldet euch!
die volunteers tragen hübsche orangefarbene t-shirts, sind also gut zu erkennen, meist auch am lächeln. die meisten erwiesen sich bislang als kompetent und hilfreich, vor allem im wege weisen. was wären die spiele ohne sie? nüscht! deshalb jedem eine goldmedaille ehrenhalber.
ich hab auch schon eine. viele köllner gucken ganz seelig und lächeln gern, wenn sie jemanden mit gold um den hals in der tram oder so erblicken. da fühlt man sich gesehen und freut sich. dabei ist meine medaille noch nicht mal echt, sieht man aber erst auf den zweiten blick. ich hab die goldene vom pressefrühstück heute morgen, gay-parship hatte eingeladen. die müssen eine clevere marketingabteilung haben, denn die haben die kettengasse mit einem roten teppich ausgelegt. auf diesem “walk of fame” kann sich jeder medaillengewinner fotografieren lassen, online gestellt, wird so der ruhm der gay games von köln auf ewig im www vorhanden sein. ein schöner gedanke!
ich pack jetzt zusammen. mir hat’s spaß gemacht, ein teil der gay games gewesen zu sein. ich denke, ich werde künftig sportlicher werden!
der nächste blog-eintrag wird dann schon von meiner kollegin manuela kay sein. manuela, viel spass in köln!
ah
ps: grad lief ein ausführlicher bericht über die gay games auf n-tv – wir werden medial wahrgenommen.
4. August 2010 – 15:54
Gay Games 2010
zurück in der city. draußen regnet es in strömen. im hotel maritim bei den tanzwettbewerben ist es trocken, warm, laut – und verdammt sexy. heute gehen die jüngeren jahrgänge an den start. und die männer zeigen viel haut. die ausschnitte können gar nicht tief genug sein, reichen bei manchen bis zum hosenbund. die stimmung ist prächtig, eine coole, ja berauschende party, dabei ist das hier doch ein seriöser wettkampf. he, sport macht spass! und macht irgendwie süchtig. ich werde tanzunterricht nehmen und klein anfangen, vielleicht trete ich schon nächstes jahr bei den euro games in rotterdam an – ein, zwei, drei!
ah