okay, okay! natürlich darf man nicht allein auf taxi-fahrer bauen. war ja auch nur ein versuch. besser öffentlichen nahverkehr nehmen. der empfängt einen mit einer frohen “willkommen”-schleife auf allen anzeigentafeln in gleich mehreren sprachen. und überall im zentrum rund um heu- und neumarkt, aber auch weit ab von köllns quirliger mitte sind die plakate zu sehen, die die sportlerinnen und sportler aus aller welt willkommen heißen. auch geschäfte und restaurants locken mit dem slogan: we are part of it! klar, der rubel rollt, die gay games spülen viel geld in die kassen. “trink genussvoll”, sagt eine frau zu einer anderen und reicht ihr ein sprudelwasser in einem plastikbecher, “denn das ist goldwasser” – “wieso” – “weil’s 2 euro kostet”. stimmt, das preisniveau ist hoch.

die stimmung kocht. im netcologne-stadion fanden zwischen eins und zwei die finalläufe über 100 meter statt, frauen und männer, alle altersklassen. starts und viel beklatschte zielgeraden am laufband. bei den frauen teilen sich die deutschen und die us-amerikanischen gewinnerinnen die goldmedaillien. schade, dass man die namen nur per ausdruck direkt im stadion einsehen kann, nicht online.


derweil lief im hintergrund der hammerwurf-wettbewerb – komische sportart. nebenan wurde hoch gesprungen. das alles ging bei schönstem wetter über die bühne. die tribüne übrigens war mit aktiven gut besetzt. andere zaungäste gab es dagegen kaum. schön war zu sehen: hier starten alle. egal, wie alt sie sind. egal, wie gut sie sind. und alle haben ihren spaß. und alle bekommen etwas ab vom applaus, der erstplatzierte genauso wir die allerletzte, die sich deutlich abgefallen ins ziel schleppt. aber auch die ganz fitten geben nicht immer eine gute figur ab, stolpern bei den letzten metern und fallen erschöpft hinter dem ziel um. hier kämpft jeder einen kampf – den gegen sich selbst (natürlich auch gegen die anderen). es macht spaß, zuzusehen. ja, ich bekomme lust, da mal mitzumachen. eigentlich bin ich unsportlich. aber hier und so? merkwürdige gedanken. am schönsten haben es die starterinnen und starter in den ganz hohen altersklassen ab 70 jahren. wenn sie ganz allein oder zu zweit starten, ist jedem eine medaille sicher!

beim tischtennis ist der fun-faktor noch deutlicher, weil die sportlerinnen und sportler hier fast alle so aussehen wie ich: ein bisschen mollig, alles keine sprintertypen, sportlicher bewegung mit spaßfaktor aber nicht abgeneigt. hier wird ja zu zweit gespielt. die spielpaare genügen sich. vielleicht sitzen hier deshalb überhaupt keine zuschauer. die hätten gar keinen sinn. wie das wohl gestern bei den bodybuildern war? leider verpasst. die posen nur an einem tag. kostete auch eintritt, wo doch sonst fast alles umsonst zum zuschauen ist. ist das überhaupt eine sportart? und was ist mit schach – und brigde? versuche ich morgen zu erkunden.
umsonst und draußen gibt es tagsüber und abends auch auf den drei open-air-areas viel zu sehen. heute nachmittag hüpften sich us-amerikanische cheerleader auf dem neumarkt mit merkwürdig eingefrorenem lächeln die seele aus dem leib. von nahem sah das nicht mehr schön aus, macht aber schon was her. es gab viel beifall und sicher auch allerhand spenden für die kölner aids-hilfe, für die gesammelt wurde. am anderen ende des platzes gab es eine lesung. eine lesbische autorin erzählte vom coming-out in der turnhalle, feuchten küssen und so, derweil draußen vorm zelt in hörweite bratwurst für 3 euro das stück verkauft wurde. hier am neumarkt verschmolzen nicht-sportler und sportler, heten und viel queer volk zu einem irgendwie schönen gebräu – darauf ein kölsch und eine pause, nachher wird getanzt, einen halben abend lang! ach, und grad fängt es an zu schiffen was das zeug hält …
ah
