Er bleibt. Und das ist auch gut so. Beinahe hätte ihn die Schiri-Affäre rund um den ehemaligen Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell aus dem Amt getrieben. Oder die Medien, die einhellig und gnadenlos daran arbeiteten. Oder auch die Drahtzieher dahinter, für die Theo Zwanziger und seine Verbündeten schon lange viel zu viel Reformwillen im früher fest verschanzten Lager konservativer DFB-Funktionäre zeigten.

Jetzt hat der Präsident des Deutschen Fußballbundes auf einer Pressekonferenz am Freitag weniger Machtfülle für Einzelne – insbesondere bei den Schiedsrichtern – und weniger Öffentlichkeit gelobt. Ob er damit die Zahl seiner eigenen öffentlichen Auftritte oder weniger Transparenz über das Geschehens im DFB meinte, blieb offen. Letzeres wäre fatal für einen Präsidenten, der mit einem außerordentlichen zivilgesellschaftlichen Engagement und medialer Offenheit sein Amt ausübte. Wer hätte sich vor der Ära Zwanziger vorstellen können, dass in den verstaubten Hallen des Männerbundes Deutscher Fußballbund über Rassismus und Homophobie gesprochen werden könnte. Dass der Frauenfußball deutlich aufgewertet würde. Dass in der Frankfurter DFB-Zentrale neben den Devotionalien aus legendären Spielen der Männernationalelf großformatige Plakate zur Frauenfußball-WM hängen würden. Theo Zwanziger meinte es ernst mit der Umstrukturierung des Verbandes und der neuen Satzung, die Diskriminierung jeglicher Art verbietet.
Erstaunlich, dass diese Tatsachen in der aktuellen Schiri-Affäre rund um sexuellen Missbrauch, Verleumdung und Erpressung keine Rolle spielten. Kein Medienvertreter wusste etwas Genaues, aber alle waren sich einig, dass Theo Zwanziger versagt hätte. Mag sein, dass er sich naiv und vorschnell hinter die vermeintlich von Amerell sexuell belästigten Schiedsrichter stellte. Mag sein, dass er zur Schachfigur in einem infamen Spiel wurde. Fest steht aber: Sich erstmal hinter die vermeintlichen Opfer zu stellen, ist nichts ehrenrühriges.
Im DFB Zeitalter vor Zwanziger hätte man so lange wie möglich alles geleugnet, sexuellen Missbrauch nicht für möglich gehalten oder mit scheinheiliger Toleranz kein Interesse an den „privaten Dingen im Schlafzimmer“ bekundet. Wie die Denke von Männern des alten Schlages geht, zeigte der ehemalige Schalke-Manager Rudi Assauer in seinen Äußerungen gegenüber dem Express: Die ganze Affäre und dieses nervige Thema Homosexualität und Fußball hätten allen nur geschadet, so der Tenor. Was Missbrauch, Verleumdung und Lügen überhaupt mit Homosexualität oder Homophobie im Fußball zu tun haben, konnte er nicht erklären. Ist eben so ein Gefühl. Geboren aus einer Mischung an verklemmter Männerbündelei, Machotum und einer Unwilligkeit, dazuzulernen.
Wir wollen unseren Theo behalten.
Gudrun Fertig
Hier zum Interview mit Theo Zwanziger in L-MAG 1/08, in dem er erstmals öffentlich über Schwule und Lesben im Fußball sprach

















2 Kommentare
Zwanziger ist bestimmt nicht perfekt und macht sicher auch Fehler. Aber verglichen mitden Dinosaurier-Macht-Mackern, die früher im DFB das Sagen hatten, ist er ein echter Fortschritt und sollte bleiben. Ich denke auch, dass Lesben und Schwule im Fußball mit ihm zumindest mal jemanden haben, der der Öffnung des DFB für dieses Thema positiv gegenübersteht.
Und in der Amerell-Affäre hat er sich m.E. nicht falsch verhalten. Allerding zeichnet der öffentliche Umgang, die Medienreaktionen bei dieser Affäre ein trübes Bild. Wie auch schon bei Fällen von sexuellem Missbrauch in kirchlichen Schulen, wird hier sexueller Missbrauch in übelst diffamierender Absicht mit Homosexualität gleichgesetzt.
Hier hat sich Zwanziger dagegen sehr korrekt verhalten.
Kann nur zustimmen! Zwanziger hat viel frischen Wind in den sturen Hetero-Männer-Verein gebracht. Kein Wunder, will man ihn wieder weghaben. Zuviel Fortschritt im Fußball, das ist Funktionären und Ewig-Gestrigen zuviel.