Als Stadtmensch ist man für einen kleinen Ausflug ins Grüne ja dankbar. Doch mit der Lage der Fußballplätze, auf denen das Frauenturnier stattfand, hatten die Veranstalter es besonders gut gemeint. Schöne und viele Plätze, auf denen gleichzeitig gespielt werden kann, sollten es sein und diese lagen nun idyllisch vor den Toren der Stadt, umrahmt von Feldern und vorbeiziehenden Schafherden.
Idylle am Fußballplatz der Frauen
Das von L-MAG präsentierte Fußballturnier fand in den zwei Finalspielen der unterschiedlichen Klassen seinen Höhepunkt. Und auch bei den Gay Games ist der lesbische Fußball fest in deutscher Hand – das kennen wir ja auch auf Nationalmannschaftsebene. Das erste Finale war eine reine Kölner Angelegenheit, die Bösen Möwen 1 (Ja, MÖWEN, wie der Vogel) unterlagen knapp im Siebenmeterschießen dem Team Torfabrik.
Das Kölner Team Torfabrik auf dem Weg zum Turniersieg beim Siebenmeterschießen
Das zweite Finale der etwas höheren Klasse machten zwei Teams aus Franken unter sich aus. Nach einem spannenden Finale gewannen die Hobbergaasen aus Erlangen gegen die Frangng Görls aus Bamberg, Würzburg und Umgebung. Die Stimmung auf dem Platz war hervorragend auch wenn alle übereinstimmend über Schmerzen in allen Gliedern klagten. Bei 2-3 Spielen am Tag glaube ich das gern. „Alles tut weh, wirklich alles vom Kopf bis zu den Füßen“ erklärten mir einige Holländerinnen. Und eine Britin saß verzweifelt auf einem Campingstuhl und summte ein Mantra aus „Ich werde nie wieder aufstehen können, ich kann einfach nie wieder laufen” vor sich hin…
Die Siegerinnen, ganz links das Team „Hopelessley Devoted" aus Berlin, das auf den dritten Platz kam. In der Mitte die Hobbergaasen aus Erlangen.
Trotz der vielen Schmerzen fanden die Siegestänze aber praktisch kein Ende und sehenswert war vor allem, wie die Spielerinnen aus Südafrika versuchten in ein „Humba, humba, Täterä“ der Franken einzustimmen.
Torschützenkönigin wurde mit 17 Treffern im Turnier übrigens Claudia Bubenheim, die Frau der vielen Talente aus Frankfurt, die also nicht nur Partys und Kreuzfahrten organisieren kann, sondern auch super Fußball spielen.
Nichts ist so schön wie die Zigarettte danach - nach dem Toreschießen natürlich. Gleich 17 erzielte Claudia Bubenheim vom Xtremeties-Team aus Frankfurt
Am Abend lernte ich im Women Place auf dem Neumarkt dann meine ersten echten Kölner kennen. Das Ehepaar Silke und Frank mit dessen Eltern. Die waren nicht nur umfassend informiert über die Gay Games und dank ihrer lesbischen Nachbarin auch über die Lesbenszene, die fühlten sich auch sichtbar wohl mit den Mädels und füllten uns entsprechend ab. Dermaßen abgefüllt schlug ich auf der Lesbenparty „Triumph and Temptations“ auf – kaum zu glauben dass diese feiernde Masse die ganze Woche Sport gemacht hat. Wo haben die nur die Kondition her? Ich konnte ja kaum noch laufen und das nur von den Wegen zu den Sportstätten… Vielleicht sollte ich eine aktive Sportkarriere doch noch mal überdenken?
Das Team der Chosen Few aus Johannesburg mit mir in der Mitte, der einzigen, die keine Schmerzen vom Fußballspielen hatte
Ich fände ja den Gedanken Schiedsrichterin zu sein ganz reizvoll. Zumindest bis ich dann die 4×100 Meter Staffel der Frauen bei der Leichtathletik sah – hier gewann tatsächlich das Team der Kampfrichterinnen. Die müssen also auch noch schnell rennen können. Das will also auch überlegt sein. Ein Sportteam, das auf mich wartet hat sich auch noch nicht gemeldet. Also bleibe ich vorerst bei meinem Lieblingssport, den Partys. Und dergestalt ging es sehr sportlich im Stollwerck zu. Nicht zuletzt weil auf mehreren Etagen getanzt und gefeiert wurde und ich nach dem vielen Treppensteigen irgendwann wirklich völlig fertig war. Vielleicht hat mich aber auch der Anblick tausender feiernder Frauen so überwältigt. Vor allem die Amerikanerinnen ziehen sich ja gerne aus auf Partys und so dominierten durchtrainierte Frauen im BH die Tanzfläche – es gibt Schlimmeres!
Manuela Kay










